Drei Arboreten kennzeichnen den Botanischen Garten Rombergpark

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»Ein Arboretum (lat. arbor »Baum«) ist eine Sammlung (nicht in Pflanzgefäßen wachsender) verschiedenartiger, oft auch exotischer Gehölze; dies kann beispielsweise ein botanischer Garten sein, in dem hauptsächlich Bäume und Sträucher angepflanzt werden. Man spricht von einem Fruticetum, wenn nur Sträucher angepflanzt werden. Werden in einem Arboretum nur Nadelgehölze angepflanzt, nennt man es Pinetum.« (Quelle Wikipedia) 

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Das Nose-Arboretum

Als Leiter des Botanischen Gartens Dortmund plante Richard Nose (1881-1965) das erste Arboretum im Rombergpark, das daher später auch die Bezeichnung »Altes Arboretum« bekam. Es wurde in den Jahren 1930 bis 1933 als eine in sich abgeschlossene Anlage verwirklicht. »Nose war ein großer Baumfreund und hervorragender Dendrologe. Er verwirklichte hier seine vielleicht persönlichste Planung und fühlte sich dem Rombergpark zeitlebens besonders verbunden.«*

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Er ließ die Bepflanzung nach dem natürlichen Pflanzensystem von Adolf Engler anlegen, dem deutschen, führenden Pflanzenexperten seiner Zeit (1844-1930). Somit wurden Baumarten einer Gattung zusammen gepflanzt – ästhetische Gesichtspunkte oder Ansprüche an den Standort kamen dabei nicht zum Tragen. Eine umfassende Sammlung mit 2000 Arten und Varietäten konnte trotz schwieriger wirtschaftlicher Umstände aufgebaut werden. Am Eingang des Arboretums beginnt die 1930 erstmals gepflanzte Zierkirschenallee, die nach ihrem Stifter, dem Gärtner Stoffregen, benannt wurde. Unter anderem prägten ursprünglich Eichen, Ulmen, Walnussarten, Ebereschen und Eschen, Roßkastanien, Schneeball- und Hartriegelarten sowie ein größeres Lindensortiment dieses Arboretum.

Viele der einst zahlreich angelegten Wege zwischen den Baumgruppen sind heute nicht mehr vorhanden und auch das ursprüngliche Pflanzkonzept und der Bestand verlor sich im Laufe der späteren Jahre.

Im September 2016, am Tag des Denkmals, wurde unter Parkleiter Dr. Patrick Knopf im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung der Startschuss für eine umfangreiche Neu-Bepflanzung gegeben. Interessierte Besucher konnten sogar die bereitgestellten Bäume unter gärtnerischer Anleitung miteinpflanzen und so beim Erhalt „ihres“ Flächendenkmales aktiv mitwirken.

Klimatische und umweltbelastende Veränderungen, die sich von der einstigen Ausgangssituation unterscheiden, bringen die Notwendigkeit mit sich, nach neuen Baumarten Ausschau zu halten, die den heutigen Bedingungen an diesem Standort gewachsen sind. Damit wird eine wichtige Aufgabe der Botanischen Gärten auch in Dortmund fortgesetzt, die Richard Nose vor über 90 Jahren hier begonnen hat. 

*Aus der Broschüre der Stadt Dortmund „Botanischer Garten Rombergpark“, 1993 

Das Krüssmann-Arboretum 

Als zweite umfangreiche Gehölzsammlung im Botanischen Garten entstand das Krüssmann-Arboretum oder sogenannte „neue Arboretum“, benannt nach Gerd Krüssmann, der den Park von 1950 bis 1974 leitete und diesen Teil plante und aufbaute. In der Nachkriegszeit wurde in Deutschland ein Bundesarboretum als Sichtungsgarten mit Fortbildungszwecken angestrebt und für diese Aufgabe konnte der bereits anerkannte Dendrologe Krüssmann durch seinen Vorgänger gewonnen werden. Obwohl das geplante Vorhaben des Bundesarboretum aufgrund wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten nicht umgesetzt werden konnte, verwirklichte Krüssmann durch viel persönlichen Einsatz ein Arboretum von späterem Weltruf.

Flieder_Bot_Garten_RombDiese Gehölzsammlung wurde vorwiegend parkartig, unter Berücksichtigung ästhetischer und auch ökologischer Gesichtspunkte gestaltet. Somit entstanden weitläufigere Wegenetze mit mehr Rasenfläche zwischen den Baumgruppen als im alten Arboretum. Krüssmann gab hier den Gartengehölzen den Vorzug und ließ umfangreiche Sortimente von Ziersträuchern und mittelgroßen Ziergehölzen wie Flieder, Ebereschen, Zieräpfel, Forsythien und andere Gattungen pflanzen. Die bedeutende Zierkirschensammlung entwickelte sich hier durch seine unermüdliche Arbeit zu einer der vollständigsten der Welt.

Innerhalb des Areals wurde 1958 das Tropenhaus für exotische Pflanzen gebaut, mit Angliederung des Café Orchidee, seiner Terasse und formalen Rosenrabatten.

Zwischen dem alten und dem neuen Arboretum wurde die bekannte kleine Talwiese geschaffen, die sich seit 2016 jedes Jahr im Frühjahr in einen blauen, sich schlängelnden Fluss aus Krokussen verwandelt – ein eindrucksvoller Hingucker und Besuchermagnet.

Auch dieses Arboretum veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte. Seit dem Jahr 2015 wurden hier zahlreiche neue Zierkirschen gepflanzt, um die über die Jahre entstandenen Ausfälle wieder aufzustocken und der Zierkirschensammlung ihre einstige Bedeutung zurückzugeben. Der Freundeskreis spendete hierfür 95 Exemplare.

Das Geographische Arboretum

Östlich der Schondelle und der großen Talwiese liegt das circa 18,2 Hektar große Geographische Arboretum. Die Bezeichnung gibt Hinweis auf den Zweck dieser Sammlung: die Darstellung von Wald- und Lebensgemeinschaften anderer Kontinente und Länder. Mitte der 30er Jahre wurden bereits erste Pflanzungen durchgeführt und seit 1967 unter Krüssmann erheblich erweitert.

Buchenhochwald_Geogr_ArboretumMitteleuropa, mit einem für Deutschland typischen Buchenhochwald und verschiedenen Eichen, ist hier vertreten – ebenso Nordamerika unter anderem mit Eichen, den herbstblühenden Hamamelis, den Tannen- und Kiefernarten. Im Südamerika-Bereich sind besonders die in ihrem Heimatland selten gewordene Araucarie aus Chile und die Südbuche zu erwähnen. Eine Wiese bildet den Mittelpunkt des ostasiatischen Areals, in dem beispielsweise Eichen, China-Brombeeren, Magnolien, Blumenhartriegel und eine einstmals bogenförmig wachsende Japanische-Goldlärchen-Allee gepflanzt wurde. Aber auch sehr seltene Baumarten konnten hier gezeigt werden.

Pflanzungen mit Bäumen aus Sibirien, Süd-Europa und dem Kaukasus waren in den 90er Jahren in Planung. In einem unserer eigenen Berichte von 2017 über anstehende Projekte heißt es: »Durch natürliche Prozesse des Pflanzenwachstums sind jedoch in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Gehölze abgestorben oder abgängig. Um die Geographische Abteilung für zukünftige Generationen zu erhalten, müssen zeitnah Gehölze nachgepflanzt werden. Ferner ist eine Erweiterung der Pflanzungen um patagonische, kaukasische und kanadische Wälder geplant und teilweise schon begonnen. Dabei wird ein Fokus auf Arten liegen, welche an ihrem Heimatstandort im Begriff des Aussterbens stehen (z.B. Franklinia, Torreya, Oxydendrum oder Sassafras). Da bisher keine bzw. nur wenige, sehr veraltete Informationstafeln vorhanden sind, sollen informierende Beschilderungen (DIN A0) für die einzelnen Waldformationen aufgestellt werden, die klimatische, geologische und floristisch-faunistische Inhalte vermitteln.«

Somit findet seit 2016 auch in diesem Teil des Botanischen Gartens eine Neubepflanzung im Sinne der Vermittlung von Biodiversität, Pflanzengeographie, Natur- und Umweltschutz statt. Zu den bereits umgesetzten Plänen von Dr. Knopf gehören beispielsweise die Pflanzungen von zahlreichen Bambusarten im asiatischen Teil und des Douglasien-Waldes im mitteleuropäischen Bereich, dessen Anlegung in einer Pflanzaktion mit Schulkindern begonnen wurde.