200 Jahre Dortmunder Grün

Wie das Grün nach Dortmund kam.

Dr. Günter Spranke

In der letzten Zeit beschäftigten sich die Medien, unterstützt von modernen visuellen Techniken, mit der Frage einer Stadtlandschaft am Ende der Zivilisation, nach einem imaginären Aussterben des Menschen. Die Tiere würden in die menschleeren Städte zurück
kehren, die Gebäude wären dem Verfall anheim gestellt. Die Trickaufnahmen lassen Grünpflanzen zuerst aus Mauerspalten, dann durch den Asphalt sprießen, schließlich überall aus den Ruinen wuchernd ein grünes Bild der einstigen Stadt und ihrer Bauten entstehen,
dass eher bedrohlich als natürlich wirkt.

Die mittelalterliche Stadt Dortmund hatte nicht viel Platz für das, heute würden wir sagen
„städtische Begleitgrün“ gelassen. Die vielleicht 10 000 Einwohner der bedeutenden „Reichs- und Hansestadt“ lebten mit prächtigen Kirchen, stolzen Handelskontoren, einem steinernen Rathaus und vielerlei Versorgungseinrichtungen auf einer eng bebauten Fläche, von einer
Stadtmauer umgeben und manchmal wie eingesperrt in einem „goldenen Käfig“. Über echte Grünflächen im Stadtbild ist nichts überliefert. Dann setzte der Niedergang der Stadt ein, nur noch 4 000 Bürger ließen der Natur mehr Spielraum, doch viel mehr als verwahrloste Flächen und gepflegte Misthaufen bot ein Rundgang dem an Grünflächen interessierten Betrachter nicht.

Die Grundfläche der Stadt war gleichgroß geblieben, manche Nutzungen hatten sich geändert, doch der Anstoß, etwas Neues zu machen, musste, wie so oft, von außen kommen. Es war die fortschrittliche napoleonische Gesetzgebung, die die Dortmunder Bürokraten veranlasste, die Enge der damaligen Stadt und ihrer Befestigung zu verlassen.

Die Forderung der französischen Administration nach einem „Totenhof“ veranlasste den Präfekten des Ruhr-Departments, Gisbert von Romberg, bis zum Jahr 1811 den „Westentotenhof“ anzulegen und somit Dortmunds erste städtische Einrichtung außerhalb der Wälle und damit zugleich Dortmunds erste Grünanlage einzurichten.

Gleichzeitig mit dem Niederlegen der Stadtbefestigung, begann so im 19. Jhd. die Begrünung der Stadtfläche und in Dortmund entstand auf diese Weise eine einzigartige Grün- und Parklandschaft, die der Industriemetropole mittlerweile einen Spitzenplatz unter den großen Deutschen Städten zuweist.