– ausgewählt von bedeutenden Institutionen aus dem Bereich der Botanik

Unter diesem Titel veröffentlichen wir Berichte und Dokumentationen zu Bäumen, Stauden, Blumen, Kakteen und Orchideen des Jahres. Siehe auch Natur des Jahres 2018! >>

Ein historischer Hintergrund am Beispiel »Baum des Jahres«

Die Idee, jährlich einen Tag des Baumes zu begehen, entstand im vorigen Jahrhundert in Nordamerika. Der Journalist Julius Sterling Morton forderte in einer Resolution die Regierung des baumarmen Bundesstaates Nebraska auf, jährlich einen »Tag des Baumes« auszurufen. Er hatte mit seiner Initiative Erfolg und erstmals am 10. April 1872 pflanzten Bürger und Farmer nahezu eine Million Bäume. Gesetzlich wurde ab 1885 der 25. April zum »Tag des Baumes« erklärt. Am 28. November 1951 fasste die FAO ( Food and Agriculture Organisation) der Vereinten Nationen (UN) den Beschluss, ihren Mitgliedsländern zu empfehlen, jedes Jahr einen Weltfesttag des Baumes zu feiern, und zwar zu dem Zeitpunkt, der unter den örtlichen Bedingungen als gegeben erscheint. Am 10. November 1951 entschloss sich die »Schutzgemeinschaft Deutscher Wald« auf einer Tagung in Bonn, den 25. April 1952 zum ersten Male als »Tag des Baumes« festzulegen. Aber erst seit 1989 ist es üblich, den 25. April eines jeden Jahres dem jeweiligen »Baum des Jahres« zu widmen. Am 22.8. 1991 wurde auf Initiative des Umweltschutzvereins Wahlstedt in Schleswig-Holstein das »Kuratorium Baum des Jahres« in Berlin gegründet mit der Aufgabe, jährlich den Baum des Jahres in Deutschland zu bestimmen. Heute wird diese Aufgabe übernommen von der Stiftung Dr. Silvius Wodarz.

Quelle: Dr. Silvius Wodarz Stiftung Website

Baum des Jahrtausends

Ginkgo – Wanderer zwischen den Zeiten...

Die Ursprünge des Ginkgo reichen in ein Zeitalter zurück, das wir uns kaum vorstellen können. Manche Wissenschaftler geben dem Ginkgo eine Geschichte von 300 Millionen Jahren. Schon bevor die Saurier lebten, sollen Vorfahren des Ginkgo die Erde großflächig besiedelt haben. Der Großteil der Ginkgoarten hatte sich schon in der Kreidezeit nach Ostasien zurückgezogen. Hier überlebte auch Ginkgo biloba die Eiszeiten. Eines der wesentlichen Merkmale des Ur – Ginkgo – Baumes waren die feingabeligen, in verblüffender Vielfältigkeit ausgebildeten »Blätter«. So gab es neben zungen- bis nadelförmigen Blättern zweifach- oder vierfach geteilte und mehr als vierfach geteilte »Blätter«. Während eines Millionen Jahre dauernden Entwicklungsprozesses entstand aus diesen Urformen das heute weithin so bekannte und symbolhafte zweigeteilte Ginkgoblatt. Dieses aus den einstigen Nadeln zusammengewachsene Fächerblatt ist ein Phänomen in der Pflanzenwelt, das den Ginkgo seinen besonderen Reiz verleiht. Ein unverwechselbares Charakteristikum ist der mehr oder minder tiefe Einschnitt des Blattes. Die Farbigkeit der Blätter variiert zwischen hell- und graugrün bis zu herbstlich Goldgelb. Die Blätter sind relativ dick wie mit einer zarten Wachsschicht überzogen. Diese Merkmale werfen die Frage auf, in welche Pflanzenklasse der Ginkgo einzuordnen ist. Wegen der teilweise nadelförmigen Blätter der Ginkgo – Vorfahren könnte man ihn zu den Nadelgehölzen zählen. Dafür spricht auch, dass der Ginkgo entfernt an eine Konifere erinnert. Angesichts der heutigen Blattform erscheint er eher zu den Laubbäumen gehörig. Diese Einordnung würde auch den Laubwechsel –Verfärben und Abwerfen der Blätter im Herbst- erklären. Der Ginkgo biloba ist weder ein Laub- noch ein Nadelbaum, vielmehr bildet er eine eigenen Pflanzenfamilie und vereint unter dem Namen »Ginkgoales« viele exotische, fossile Arten.

Quelle: Auszug aus »Mythos Ginkgo«, Buchverlag für die Frau. – Foto: Cayambe, Wikipedia

Im Botanischen Garten Rombergpark ist der wohl bekannteste und wohl am deutlichsten erkennbare Gingko der »Ginkgo biloba Tremonia«, der in Dortmund als Sämling entstanden ist und daher seinen Zusatz in der lateinischen Bezeichnung gefunden hat. Darüber hinaus entsteht z. Zt. im Geografischen Arboretum, links des Teiches eine Gingko-Sammlung.  

Baum des Jahres 2018

Die Ess-Kastanie/Edelkastanie (Castanea sativa), 30. Jahresbaum

»Die Ess-Kastanie ist in Deutschland – von wenigen regionalen Ausnahmen abgesehen – eine seltene Baumart, aber sie ist eine der eindrucksvollsten: 

Wer einmal ihre auffallend gelblichweiße Blütenpracht gesehen hat, die die gesamte Baumkrone im Frühsommer überzieht, wer einmal erlebt hat, wie im Oktober ihre großen, runden, mit unzähligen Stacheln besetzten Früchte herunterfallen, aufplatzen und die wunderschönen, mahagonibraun glänzenden Kastanien mit der zart behaarten weißen Spitze freigeben, der wird diesen Baum nicht mehr vergessen. 
Wer es dann noch versteht, aus diesen Kastanien Suppen, Bratenfüllungen, Süßspeisen, Torten, Brot oder schlicht „Heiße Maroni“ zu fabrizieren, der zählt diesen Baum bestimmt schon längst zu seinen Lieblingsbäumen.«

Textquelle und mehr: www.baum-des-jahres.de | Dr. Silvius Wodarz Stiftung
Fotos: Edelkastanie – Darkone, Wikipedia (links), Frucht der Edelkastanie – Benjamin Gimmel BenHur, Wikipedia (rechts)

Bisherige Jahresbäume

1989 Stiel-Eiche, 1990 Rot-Buche, 1991 Sommer-Linde, 1992 Berg-Ulme, 1993 Speierling, 1994 Eibe, 1995 Spitz-Ahorn, 1996 Hainbuche, 1997 Eberesche, 1998 Wild-Birne, 1999 Silber-Weide, 2000 Sand-Birke, 2001 Esche, 2002 Wacholder; 2003 Schwarz-Erle; 2004 Weiß-Tanne; 2005 Rosskastanie; 2006 Schwarz-Pappel; 2007 Wald-Kiefer; 2008 Walnuss (20. Jahresbaum seit 1989), 2009 Berg-Ahorn, 2010 Vogel-Kirsche, 2011 Elsbeere, 2012 Europäische Lärche, 2013 Wildapfel, 2014 Trauben-Eiche, 2015 Feldahorn, 2016 Winterlinde, 2017 Rotfichte

Die Blume des Jahres 2018

Der langblättrige Ehrenpreis

Der Langblättrige Ehrenpreis ist die Blume des Jahres 2018, ernannt von der Loki-Schmidt-Stiftung nach der Devise »Für den Schutz eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme in ganz Europa: naturnahe Flussauen«..

Wo der Langblättrige Ehrenpreis (Veronica maritima) noch vorkommt, säumt er in einem leuchtenden blau-lila Band die sommerlichen Ufer unserer großen Flüsse. 

Lesen Sie mehr über die Blume des Jahres 2018 in unserer Rubrik Loki-Schmidt-Garten

Foto: A. Jahn, Loki Schmidt Stiftung

Staude des Jahres 2018

Die Taglilie (Hemerocallis)

»Es gibt Pflanzen, denen scheint das Wissen um die eigene Schönheit eine wunderbare Gelassenheit zu verleihen. Wie den Taglilien. Mit ihren schimmernden Blütentrichtern und dem eleganten grasartigen Laub sind sie echten Lilien und anderen Prachtstauden an Attraktivität mindestens ebenbürtig, in puncto Pflegeleichtigkeit aber haushoch überlegen. Der Bund deutscher Staudengärtner wählte Hemerocallis zur Staude des Jahres 2018, denn auch in Fachkreisen hat sie viele Liebhaber.

Wochenlang konkurrenzlos schön

Dass jede einzelne Taglilienblüte tatsächlich nur einen Tag lang hält, fällt angesichts der überwältigenden Blütenfülle gar nicht weiter auf. »An einem sonnigen Platz blühen Taglilien wochenlang überreich. Viele Sorten vertragen sogar Halbschatten, sie blühen dann lediglich etwas weniger üppig«, erläutert Anna Bremermann. Wie die Taglilien in den Garten eingebunden werden, ist in erster Linie Geschmackssache. »Die einfachen Sorten sehen zum Beispiel in Gesellschaft von Bauerngartenpflanzen sehr schön aus. Ihr attraktives grasartiges Laub kaschiert ganz neben die oft verkahlenden Stängel von Phlox und Astern«, empfiehlt die Staudengärtnerin. »Besonders auffällige Sorten würde ich hingegen eher mit schlank-aufrecht wachsenden Ziergräsern kombinieren, damit nichts von den beeindruckenden Blüten ablenkt.«

Textquelle und mehr: www.staude-des-jahres.de  |  Foto: Hemerocallis fulva June, I Manfred Heyde, Wikipedia

Bisherige Stauden des Jahres

Seit dem Jahr 2000 wählt der Bund deutscher Staudengärtner im Zentralverband Gartenbau in Bonn (Nordrhein-Westfalen) jährlich die Staude des Jahres. Gemäß der folgenden Auflistung waren die bisherigen Stauden des Jahres:
2000 Fetthenne (Sedum), 2001 Glockenblume (Campanula), 2002 Aster (Aster), 2003 Salbei (Salvia), 2004 Storchschnabel/Geranien (Geranium), 2005 Windröschen (Anemone), 2006 Flammenblume (Phlox), 2007 Ehrenpreis (Veronica), 2008 Sonnenbraut (Helenium), 2009 Funkie (Hosta), 2010 Katzenminze (Nepeta), 2011 Fetthenne (Sedum), 2012 Knöterich (verschiedene Arten der Gattungen Aconogonon, Bistorta und Persicaria), 2013 Wolfsmilch (Euphorbia), 2014 Elfenblume/Sockenblume (Epimedium), 2015 Segge (Carex), 2016 Iris, 2017 Bergenie

Quelle: www.bund-deutscher-staudengaertner.de – Foto: Wikipedia - Rasbak

(Heimische) Orchidee des Jahres 2018

Die Torfmoos-Fingerwurz (Dactylorhiza sphagnicola)

»Zur Orchidee des Jahres 2018 ist mit der Torfmoos-Fingerwurz (Dactylorhiza sphagnicola) ein Spezialist gewählt worden, welcher nur in intakten, sauren und nährstoffarmen Moorstandorten zu finden ist. Moore sind in Deutschland so selten anzutreffen dass sie unter besonderem Schutz stehen. Um für die Bedeutung der Moore zu werben und gleichzeitig die besondere Schutzwürdigkeit dieser Orchidee zu betonen, kürten die Mitglieder der Arbeitskreise Heimischer Orchideen aus den Bundesländern im thüringischen Arnstadt in ihrer diesjährigen Jahrestagung die Torfmoos-Fingerwurz zur Orchidee des Jahres. Die Leitung der Tagung hat in diesem Jahr der Arbeitskreis Heimische Orchideen Hamburg übernommen und vorgeschlagen, die Tagung unter das Leitthema »Moore« zustellen. Gerade um Hamburg gibt es einige dieser seltenen Lebensräume mit Vorkommen der Torfmoos-Fingerwurz, um die sich die Mitglieder des Arbeitskreises kümmern. Weitere Lebensräume der Orchidee des Jahres befinden sich im Norddeutschen Tiefland. Als stark gefährdet werden die Vorkommen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eingestuft, und als „vom Aussterben bedroht“ in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg. In den anderen Bundesländern fehlt die Orchidee. Dennoch liegt das weltweite Hauptverbreitungsgebiet der Torfmoos-Fingerwurz in Deutschland, womit den Bundesländern eine besondere Verantwortung zum Erhalt und Schutz dieser Art zukommt. Die Mitglieder der Arbeitskreise Heimischer Orchideen setzen sich auch durch die Pflege der Moore auch dafür ein, dass diese seltenen Orchideen erhalten bleiben.

Der Name »Torfmoos-Fingerwurz« bezieht sich auf das Torfmoos, das in sauren Mooren mit Torfböden vorkommt. Im Monat Juni blüht die Torfmoos-Fingerwurz mit hellroten bis rosafarbenen Blüten, die einen Blütenkopf bilden. Ihre Blätter sind hellgrün, lang, schmal und nicht gefleckt. Beobachtet werden kann die Orchidee in Mooren, die mit begehbaren Bohlenwegen ausgestattet sind. Die Betretung der Moore selbst ist untersagt, denn sie stehen alle unter Schutz und allein ein Fußtritt kann großen Schaden anrichten.«

Textquelle: www.orchideen-deutschlands.de  |  Foto: Dactylorhiza sphagnicola – von Orchi, Wikipedia

Orchideen der vergangenen Jahre

2017 Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce), 2016 Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis (Poir.) Rich.), 2015 Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata (L.) Soó), 2014 Blattloser Widerbart (Epipogium aphyllum Sw.), 2013 Purpur-Knabenkraut )Orchis purpurea Huds.), 2012 Bleiches Knabenkraut (Orchis pallens L.), 2011 Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia (L.) Rich.), 2010 Frauenschuh (Cypripedium calceolus L.), 2009 Männliches Knabenkraut (Orchis mascula L.), 2008 Übersehenes Knabenkraut (Dactylorhiza praetermissa (Druce) Soó), 2007 Gewöhnliches Kohlröschen (Nigritella nigra subsp. rhellicani (Teppner & E. Klein) H. Baumann, Künkele & R. Lorenz), 2006 Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine (L.) Crantz), 2005 Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata L.), 2004 Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride Hartm.), 2003 Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera L.), 2002 Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis (L.) Rich.), 2001 Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis (L.) Chevall.), 2000 Rotes Waldvöglein (Cephalanthera rubra (L.) Rich.), 1999 Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum (L.) Spreng.), 1998 Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris (L.) Crantz), 1997 Wanzen-Knabenkraut (Orchis coriophora L.), 1996 Frauenschuh (Cypripedium calceolus L.), 1995 Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera Huds.), 1994 Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii (L.) Rich.), 1993 Helm-Knabenkraut (Orchis militaris L.), 1992 Großes Zweiblatt (Listera ovata R. Br.), 1991 Kleines Knabenkraut (Orchis morio L.), 1990 Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis Rich.), 1989 Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F. Hunt & Summerh.)
 Quelle: Arbeitskreise Heimische Orchideen

Kaktus des Jahres 2018

Der Erdnuss-Kaktus (Echinopsis chamaecereus)

Wenn die letzten Erdnüsse des Winters geknackt und gegessen sind, beginnt die Saison des Erdnusskaktus. Wenn sich die Pflanzen im Frühling mit Wasser füllen und zu wachsen beginnen, leuchtet der Name sofort ein: Die Form und das Dornenmuster der Triebe erinnert tatsächlich an ein Bündel frisch geernteter Erdnüsse. Der Name kommt aus dem Amerikanischen, wo der Peanut Cactus schon seit langem ein Begriff ist. Auch die Pflanze selber kommt aus Amerika, und zwar aus der nordwestlichen Ecke von Argentinien. Dort entdeckte der italienische Entomologe Philippo Silvestri vor über hundert Jahren den Erdnusskaktus und grub ein paar Pflanzen aus. Ein befreundeter Botaniker, Carlos Spegazzini, beschrieb 1905 den Erdnusskaktus als »eine kleine Kaktusart, rasenförmig wachsend mit schlanken Zweigen und roten Blüten« und gab der Pflanze zu Ehren des Entdeckers den Namen »Cereus silvestrii«. Später wurde daraus »Chamaecereus silvestrii«, Silvestris Zwergsäulenkaktus, und heute heißt die Art „Echinopsis chamaecereus“.

Textquelle und mehr: www.dkg.eu – Foto: Echinopsis chamaecereus, Dieter Weber User Uellue, Wikipedia